Hannoversche Funkamateure haben mit der Neumayer Station gefunkt

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dj1wf
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Hannoversche Funkamateure haben mit der Neumayer Station gefunkt

Beitrag von dj1wf » 13. Feb 2020, 21:42

Am 12.02.2020 hat eine Gruppe Funkamateure von der Clubstation des Ortsverbandes H48 im Deutschen Amateur Radio Club mit der Neumayer Station in der Antarktis gefunkt. Damit das klappen konnte mussten viele Dinge unter einen Hut gebracht werden. Zwei Techniker der Station sind Funkamateure. Einer von ihnen, Felix Riess, stammt aus Gehrden bei Hannover und ist mit vielen Funkamateuren auch aus unserer Region befreundet.
So wurden die guten Kontakte genutzt und nach einem Angebot von Felix ein Termin vereinbart, bei dem wir mit der Station funken konnten. Normalerweise ist sowas fast unmöglich, in der Funkerwelt ist es mit einem Sechser im Lotto zu vergleichen so lange und ausgiebig mit einer solch seltenen und außergewöhnlichen Station funken zu können wie wir es heute getan haben. Wann immer sich die Station mal kurz meldet herrscht in kürzester Zeit solch ein Getümmel auf der Frequenz, dass man mit herkömmlichen Mitteln eigentlich keine Chance hat eine Verbindung herzustellen. Und wenn es denn doch mal klappt sind meist nur sehr kurze QSOs, die sich oft auf den Austausch von Rapporten beschränken möglich.
Hier war es anders. Aufgrund der guten Kontakte konnten wir eine Verabredung treffen und sozusagen ein exklusives Zeitfenster bekommen. Auch die Presse war anwesend und hat kräftig mitgeschrieben sowie unter einem Ausbildungsrufzeichen auch direkt Fragen an Felix in der Station stellen können. Felix hat einiges über den Alltag und das Leben auf der Station berichtet, und dann einen nach dem anderen, und es waren sehr viele Teilnehmer, über Funk ein kurzes Gespräch gewidmet. Es ist schon etwas besonderes mit jemanden zu sprechen, der tausende Kilometer entfernt in einer Forschungsstation im ewigen Eis arbeitet. Für mich persönlich war es mein erstes QSO via QO100, mein erstes QSO mit der Neumayer Station, und auch mein erstes QSO im 20m Band mit der Neumayer Station.
Umgesetzt wurde die Satellitenverbindung über den seit über einem Jahr im geostationären Orbit stehenden Kommunikationssatelliten Eshail2 (QO100), der auch Amateurfunktransponder als Nutzlast trägt. Auch das ist eigentlich unmöglich, allein die Kosten sind unbezahlbar. Aber auch hier waren Funkamateure aktiv. Sie haben einige Jahre zuvor Kontakte zu höchsten Ebenen der Qatarischen Regierung knüpfen können, in deren Verlauf dieses weltweit einzigartige Projekt realisiert wurde. Maßgeblich beteiligt war Peter Gülzow, Präsident der AMSAT DL, der die notwendigen Schritte eingefädelt hat. Ohne ihn und ohne die Bereitschaft der Qataries, auf ihrem neuen Fernsehsatelliten auch zwei Amateurfunktransponder einzubauen und die Kosten dafür zu tragen wäre dieser erste geostationäre Satellit mit Amateurfunknutzlast nie realisiert worden. Peter war heute übrigens bei unserem Kontakt zur Station auch anwesend und hat ebenfalls ein paar Worte mit Felix und seinem Kollegen Thorsten wechseln können.
Darüber hinaus hat die AMSAT eine betriebsfertige Satellitenfunkstation vor einigen Wochen zur Neumayer Station in der Antarktis geschickt, die dann vor Ort aufgebaut wurde und u.a. uns nun diese schöne Verbindung ermöglicht hat.
Nachdem wir unsere Verbindung via Satellit beendet hatten haben wir es auf direktem Weg ohne jegliche unterstützende Infrastruktur auf der Kurzwelle im 20m Band versucht. Hier gelten Verbindungen zum Südpol als ausgesprochen schwierig, weil einerseits kaum dass eine so seltene Station auftaucht die Frequenz sofort total überfüllt ist weil jeder mit der Station reden will, anderseits die Ausbreitungslinien so ungünstig verlaufen, dass auch unter idealen Bedingungen nur schwer eine stabile Verbindung hergestellt werden kann.
Aber auch das hat geklappt. Das 20m Signal war starken Schwankungen unterworfen, aber es hat funktioniert. Zusätzlich zur Clubstation hat der Arbeiter Samariterbund, mit dem wir vom H48 seit längerer Zeit engkooperieren einen ausgewachsenen Bus zur Verfügung gestellt und nebenan geparkt, sodaß wir darin die Satellitenstation aufbauen konnten. Dieser Bus wird normalerweise als Einsatzleitfahrzeug bei Großereignissen benutzt. Auch hier eine tolle Kooperation zwischen dem ASB und den Funkamateuren. Das einzige kleine Problem war die Beleuchtung im Bus, die hatte sich zwischendurch vorübergehend abgeschaltet. Aber das hatte auf die Verbindung keinen Einfluß.
Insgesamt ist alles super gelaufen.

Zum Abschluß haben wir noch gegrillt und uns nett unterhalten, der Tag wird lange in Erinnerung bleiben.

Vielleicht hat es der eine oder andere schon auf Facebook gesehen, aber ich habe einen Videoausschnitt der Durchgänge von der Neumayer Station auch auf Youtube hochgeladen. Hier der Link: https://www.youtube.com/watch?v=C1K2zw07rx4

Vy 73

Wilfried, DJ1WF

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Re: Hannoversche Funkamateure haben mit der Neumayer Station gefunkt

Beitrag von DJ7WW » 13. Feb 2020, 21:53

dj1wf hat geschrieben:
13. Feb 2020, 21:42

Nachdem wir unsere Verbindung via Satellit beendet hatten haben wir es auf direktem Weg ohne jegliche unterstützende Infrastruktur auf der Kurzwelle im 20m Band versucht. Hier gelten Verbindungen zum Südpol als ausgesprochen schwierig
Auf 80m geht das recht gut.

73
Peter

dj1wf
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Re: Hannoversche Funkamateure haben mit der Neumayer Station gefunkt

Beitrag von dj1wf » 13. Feb 2020, 22:30

Hi Peter.
Dann muß man aber auch eine entsprechende Antennenanlage zur Verfügung haben. An der Clubstation hängt für Kurzwelle nur ein Beam an dem Container, der uns von der Stadt zur Nutzung als Clubstation dort hingestellt wurde. Da wir auf einem städtischen Gelände sind unterliegen wir "gewissen Restriktionen" was den Aufbau, insbesondere den dauerhaften Aufbau DX tauglicher 80m Antennen abseits des Containers angeht. Insofern...no way. Aber auf 20m ging es ja auch. Nicht brüllend laut, aber verständlich. Grundsätzlich galt der Sked eh primär für die Satellitenverbindung, die 20m Verbindung war dann quasi das Sahnehäubchen oben drauf.
Vy 73
Wilfried

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Re: Hannoversche Funkamateure haben mit der Neumayer Station gefunkt

Beitrag von DJ7WW » 14. Feb 2020, 03:56

dj1wf hat geschrieben:
13. Feb 2020, 22:30
Hi Peter.
Dann muß man aber auch eine entsprechende Antennenanlage zur Verfügung haben.
Hallo Wilfried,

Bei mir sind das 20m Draht die senkrecht herunter hängen.
Klar, 20m geht natürlich besser mit Yagis, aber mit einfachen Antennen geht es auf den langen Bändern vergleichsweise besser.

73
Peter

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Re: Hannoversche Funkamateure haben mit der Neumayer Station gefunkt

Beitrag von DK7BY » 14. Feb 2020, 08:23

Neumeyer ist sehr gut gegangen. Ich habe nur einen Draht, dafür ging es immer recht flott und mit guten Signalen.
73 Karsten

HB9EVI
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Re: Hannoversche Funkamateure haben mit der Neumayer Station gefunkt

Beitrag von HB9EVI » 14. Feb 2020, 09:34

Interessanterweise hatte ich die Neumayer Station auch auf 80m in meinen WSPR-Spots, sowohl TX als auch RX, auf 20m hingegen nie.

DF5WW
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Re: Hannoversche Funkamateure haben mit der Neumayer Station gefunkt

Beitrag von DF5WW » 14. Feb 2020, 11:45

1.png
Beide male mit 5W (FT-817ND) und indoor 2 x 7,5 m doublet im Dachboden. Bei Bedingungen
geht "fast" alles. Auf 80 ist sowas mit einem solchen Setup zwar sicherlich kaum möglich aber
bei QO-100 ist das schon keine Kunst mehr. Hier fehlt nurnoch eine PA um dem Pluto zu mehr
Leistung zu verhelfen dann ist DP1POL sicher auch dort mal im Log.

Die Schwierigkeit wird eher daran liegen Zeiten zu erwischen zu denen Felix auch QRV ist und
man selbst an der Station sein kann.

;) ;)
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73´s, Jürgen ;) ;)
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DJ7WW
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Re: Hannoversche Funkamateure haben mit der Neumayer Station gefunkt

Beitrag von DJ7WW » 14. Feb 2020, 14:00

DF5WW hat geschrieben:
14. Feb 2020, 11:45

Auf 80 ist sowas mit einem solchen Setup zwar sicherlich kaum möglich aber
bei QO-100 ist das schon keine Kunst mehr.
Klar, ist wie das nächste Relais auf 2m...

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